Afghanistan-Abzug: Wenn es die Sicherheitslage erlaubt

von Sebastian ~ 27. Januar 2012

Mit großer Mehrheit hat der Deutsche Bundestag am 26. Januar 2012 das ISAF-Mandat der Bundeswehr für den Afghanistan-Einsatz um ein Jahr verlängert. Für eine weitere Beteiligung deustcher Soldaten am ISAF-Einsatz am Hindukusch haben 424 Parlamentarier votiert, 107 stimmten dagegen, 38 enthielten sich, damit ist der deutsche militärische Einsatz bis zum 31. Januar 2013 verlängert.
Im ISAF-Einsatz in Afghanistan (und Usbekistan sind aktuell 5.291 Bundeswehr-Soldaten und Soldatinnen (Stichtag: 25. Januar 2012) im Auslandseinsatz.

Die “Neue Osnabrücker Zeitung” kommentiert:
Wenn es die Sicherheitslage erlaubt

Auch nach einem Jahrzehnt mit deutschen Truppen auf afghanischem Boden hat der Bundestag das Mandat wieder verlängert. So schmerzlich der Tod von 52 Bundeswehrsoldaten ist, so ernüchternd jeder Rückschlag durch Selbstmordattentate ist, so kriegsmüde die Bevölkerung in Deutschland teilweise ist: Das Parlament hat abermals richtig entschieden. Die Welt nach dem 11. September 2001 sicherer zu machen gehört zu den Pflichten der Bundesrepublik als NATO-Mitglied. Und Terroristen haben auch Deutschland als Anschlagsziel auserkoren.

Schritt für Schritt soll das Bundeswehr-Kontingent am Hindukusch schrumpfen, ehe 2014 alle Soldaten abziehen sollen. Diese behutsame Übergabe der Verantwortung an die Afghanen erscheint vernünftig. Verteidigungsminister Thomas de Maizière ist so ehrlich und nennt den Plan realistisch, aber nicht sicher. “Wenn es die Sicherheitslage erlaubt”: Das ist der entscheidende Halbsatz, den Regierung und ISAF-Oberkommando gleichermaßen beherzigen. Auf keinen Fall darf der mühsam erreichte Aufbau dadurch gefährdet werden, dass Taliban und Al-Kaida die Menschen erneut unterjochen, sobald die Soldaten das Land verlassen haben.

Für eine halbwegs stabile Lage werden sich die NATO-Staaten noch lange engagieren müssen. Was Geld und Personal für die Ausbildung von Militär und Polizei sowie für Entwicklungshilfe angeht, gibt es einen Nachholbedarf. (Zitatende)

(Textquelle kursiv: Neue Osnabrücker Zeitung.de;
Bildquelle: Bundeswehr.de, Soldaten einer Patrouille in der Region Kunduz)

Hintregrundinformationen: Antrag der Bundesregierung (17/8166), die Beteiligung bewaffneter deutscher Streitkräfte an dem Einsatz der Internationalen Sicherheitsunterstützungstruppe in Afghanistan (ISAF) unter Führung der Nato fortzusetzen. Der Auswärtige Ausschuss hat der Verlängerung bereits zugestimmt (Beschlussempfehlung 17/8393).



Bundeswehr investiert 100 Millionen Euro in neue Radartechnik Ground Master 406 F

von Sebastian ~ 26. Januar 2012

Die Bundeswehr investiert 100 Millionen Euro in neue eine Radartechnik zur Überwachung des Luftraumes. Das berichtet das Bielefelder Westfalen-Blatt (Freitags-Ausgabe) unter Berufung auf einen Bundeswehrsprecher. Das Radargerät in Brakel-Auenhausen (Kreis Höxter/Nordrhein-Westfalen) ist das erste von sechs veralteten Medium Power Radar (MPR), die durch das neue Ground Master 406 F ausgetauscht werden, schreibt die Zeitung. Dies geschieht innerhalb des Beschaffungsprogramms »Aktives Radarrundsuchgerät für den Einsatzführungsdienst« (ARED). Das neue System löst die MPR-Technik ab, die seit 40 Jahren Jahren am Netz ist. Das Ground Master 406F ist ein 3D-Luftverteidigungsradar mit digitaler Formung des Antennendiagramms. Es ist ein Großraumradar, welches eine Zielerfassung von geringen bis zu sehr großen Flughöhen bietet und weniger störanfällig sein soll. Die komplette Umrüstung aller sechs militärischen Radaranlagen soll 2015 abgeschlossen sein, berichtet das Westfalen-Blatt. Die fünf weiteren Standorte sind in Brekendorf in Schleswig-Holstein, Visselhövede (bei Soltau), Erndtebrück im Siegerland, in Lauda-Königshofen (Baden-Württemberg) sowie in Freising bei München. (Zitatende)

Berichtet das “Westfalen-Blatt” aus Bielefeld vorab.

(Textquelle kursiv: Westfalen-Blatt.de;
Bildquelle: Luftwaffe.de, Medium Power Radar)

Bundeswehrsoldaten 2012: “Generation Einsatz”, “Zweiweltenproblematik” und “Friedensdividende”

von Sebastian ~ 26. Januar 2012

Soldaten wollen, dass ihr Einsatz nicht umsonst gewesen ist

BMVg.de berichtet über den Beitrag “Generation Einsatz – Einsatzrealitäten, Selbstverständnis und Organisation” von Anja Seiffert, der in der Jahresschrift 2011 des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Bundeswehr (SoWi) erschienen ist. Eine Bestandsaufnahme, die den Wandel der Bundeswehr hin zu einer Einsatzarmee dokumentiert.
Anja Seiffert* und ihre Kollegen sind wiederholt in die Einsatzgebiete gereist, haben die deutschen Soldaten befragt und sie begleitet. Dabei haben die SoWi-Wissenschaftler festgestellt, was den Soldaten und Soldatinnen, die im Einsatz ihr Leben riskieren, besonders wichtig ist: “Sie erwarten positive Effekte ihres Engagements, gewissermaßen eine ‚Friedensdividende‘ in Form von Aufbauerfolgen und einer verbesserten Sicherheit“, so Anja Seiffert. Auf einen Nenner gebracht: “Sie wollen, dass ihr Einsatz nicht umsonst gewesen ist.”

* Dr. Anja Seiffert ist seit November 2009 Leiterin des Forschungsschwerpunktes “Sozialwissenschaftliche Begleitung der Auslandseinsätze der Bundeswehr” am Sozialwissenschaftlichen Institut der Bundeswehr.
Ihre Forschungsschwerpunkte sind: Sicherheitspolitik, Auslandseinsätze der Bundeswehr, Militärsoziologie, Interkultureller Dialog, Frauen und Bundeswehr.

(Bildquelle: Bundeswehr.de, deutsche Soldaten einer Fußpatrouille in Kunduz/Afghanistan, BMVg.de-Artikel: Soldatenalltag in Afghanistan: “So ein Einsatz prägt und verändert”)

Buchempfehlung: Der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan. Sozial- und politikwissenschaftliche Perspektiven, hrsg. von Anja Seiffert, Phil C. Langer und Carsten Pietsch. VS Verlag, 2012; ISBN: 978-3-531-18301-5

Hintergrundinformationen: Sozialwissenschaftliches Institut der Bundeswehr. Anmerkung: Das SoWi wird im Rahmen der Bundeswehr-Reform von Strausberg nach Potsdam an den Sitz des MGFA verlegt.

SPD-Verteidigungspolitiker Bartels kritisiert Umgang mit Inspekteuren der Teilstreitkräfte der Bundeswehr

von Sebastian ~ 26. Januar 2012

Der SPD-Verteidigungsexperte Hans-Peter Bartels hat Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) vorgeworfen, den Inspekteuren der Teilstreitkräfte einen Maulkorb gegenüber der Politik zu verhängen. “Die Inspekteure der Teilstreitkräfte tauchen schon seit längerem nicht mehr im Verteidigungsausschuss auf”, sagte er der in Halle erscheinenden “Mitteldeutschen Zeitung” (Donnerstag-Ausgabe). “Das ist kein Zufall, sondern gewollt. Denn es gibt offensichtlich die Weisung, dass Kontakte zur Politik genehmigt werden müssen und nicht mehr wie seit Jahrzehnten in dieser regelmäßigen und unkomplizierten Form stattfinden dürfen. Das ist für eine Parlamentsarmee unmöglich, weil dadurch Informationsdefizite entstehen. Außerdem offenbart dieses Vorgehen ein Misstrauen gegenüber der eigenen militärischen Führung, das wir bei einem so souveränen Minister gar nicht vermutet hätten.”
Im Zuge der Bundeswehrreform werden die Inspekteure aus dem Bonner Verteidigungsministerium nach Rostock (Marine), Strausberg bei Berlin (Heer), Berlin-Gatow (Luftwaffe), Koblenz (Sanitätsdienst) und Bonn (Streitkräftebasis) ausgelagert. Im Gegenzug wird die Position des Generalinspekteurs gestärkt. (Zitatende)

(Textquelle kursiv: Mitteldeutsche Zeitung.de;
Bildquelle: Bundeswehr.de, Vergeleichsbild: Ministerbesuch im Gefechtsübungszentrum – Der Bundesminister der Verteidigung Dr. Thomas de Maizière und der Inspekteur des Heeres Generalleutnant Werner Freers während einer Vorführung des Heeres im Gefechtsübungszentrum. Der Minister besucht das Gefechtsübungszentrum des Heeres in Letzligen.)

U.S. Präsident Barack Obamas Ruck-Rede an die überschuldete Nation und alliierte Weltmacht (Video)

von Sebastian ~ 25. Januar 2012

Amerikanische Ideale

So spricht ein US-Präsident, der unbedingt wiedergewählt werden will. Barack Obamas rhetorisch starke Rede zur Lage der Nation verdeutlicht, dass er um sein Amt kämpft. Noch wichtiger ist: Der erste schwarze Präsident im Weißen Haus bleibt der Vision treu, die Spaltung der Nation zu überwinden. Bisher scheiterte er an diesem erstrebenswerten Ziel. Amerika offenbart sich nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich und gesellschaftlich als zerrissener Staat. Obama will diesen Zustand nicht resignierend zur Kenntnis nehmen. Er löst nun Fairness und Gerechtigkeit aus der Parteipolitik und erklärt diese Werte zu amerikanischen Idealen. Das sind kluge Gedanken zur besten Sendezeit im US-Fernsehen.

Obama beweist auch taktisches Gespür vor der Wahl im November. Weil die Republikaner im Kongress die meisten seiner Vorhaben stur abschmetterten, richtet sich der Präsident voller Elan an die gebeutelte Mittelschicht. Jetzt gilt es, sie von seinem Programm zu überzeugen – nicht die Konservativen auf dem Kapitolshügel. Die durch die Tea-Party-Ideologie getriebenen Republikaner lehnen etwa höhere Steuern für Millionäre nach wie vor ab.

Nach einem Sieg würden Obamas Hürden indes bleiben. Wenn er die hohe Arbeitslosigkeit, die horrenden Schulden und die hartnäckige Wirtschaftsmisere bekämpfen will, kommt es auf eines an: runter von den Maximalforderungen, Kompromisse eingehen – und Amerika mit sich versöhnen. (Zitatende)
Kommentiert die “Neue Osnabrücker Zeitung” die Rede Obamas an die Nation im U.S. Capitol.

Die “Rhein-Neckar-Zeitung” (Christian Altmeier) aus Heidelberg kommentiert:
Neue Richtung
Die Richtung des Wahlkampfes in den USA zeichnet sich nach Barack Obamas Rede zur Lage der Nation immer deutlicher ab. Nicht rechts gegen links lautet die zentrale Auseinandersetzung, sondern oben gegen unten. In einem Land, in dem sich die Einkommensschere immer weiter öffnet, und in dem die Mittelschicht zunehmend Angst vor dem sozialen Abstieg hat, positioniert sich der Präsident als Kämpfer für die Belange der einfachen Amerikaner. Damit dürfte Obama einmal mehr den richtigen politischen Riecher haben. Denn auch wenn die Republikaner nach der Rede reflexartig Klassenkampf und Sozialismus anprangern, breitet sich auch in den USA das Gefühl aus, dass die Lasten ungleich verteilt sind. Zum “Kronzeugen” dafür ist ausgerechnet der Republikaner Mitt Romney geworden, der auf Einkünfte von 43 Millionen Dollar aus Finanzgeschäften gerade einmal 13,9 Prozent Steuern bezahlt hat. Mit der Abkehr von großen politischen Visionen und einem Augenmerk auf die wirtschaftlichen Belange der Mittelschicht wandelt Obama nun auf Bill Clintons Spuren. Der war zwar kein großer Präsident, der das Land geprägt hat. Aber er wurde wiedergewählt – was für Obama derzeit das Wichtigste sein dürfte. (Zitatende)

(Video-, Bildquelle: White House.gov, President Obama delivers the 2012 State of the Union Address to Congress and the nation. President Obama delivers his State of the Union address at the U.S. Capitol, White House Photo, Pete Souza;
Textquellen kursiv: Neue Osnabrücker Zeitung.de; Rhein-Neckar-Zeitung.de)



Bedenkliche Wissenslücken: Jeder fünfte Jugendliche weiß nicht, was Auschwitz ist

von Sebastian ~ 25. Januar 2012

Nahezu alle Deutschen kennen die besondere Bedeutung von Auschwitz. In einer Umfrage in der neuen, am Donnerstag erscheinenden Ausgabe des Hamburger Magazins “stern” anlässlich des Holocaust-Gedenktages am Freitag konnten 90 Prozent der Befragten auf Anhieb sagen, dass der Name für ein Konzentrations- bzw. Vernichtungslager steht. Bei den über 30-Jährigen waren es sogar 95 Prozent. Nur bei den Jüngeren (18- bis 29-Jährigen) gab es Wissenslücken: Hier konnte jeder Fünfte (21 Prozent) mit dem Begriff Auschwitz nichts anfangen.

Schwierigkeiten haben viele Deutsche bei der Frage, in welchem Land Auschwitz liegt: Hier musste fast jeder dritte Bürger (31 Prozent) passen. 69 Prozent nannten korrekt Polen.

Der “stern” fragte auch das Interesse der Deutschen an den KZ-Gedenkstätten ab. Ergebnis: 43 Prozent erklärten, sie hätten noch nie eine derartige Gedenkstätte besucht, überdurchschnittlich oft waren dies Westdeutsche (46 Prozent). Bei den Ostdeutschen waren es nur 27 Prozent.

Eine bemerkenswerte Entwicklung gibt es bei der Frage, ob ein Schlussstrich unter die Vergangenheit gezogen werden sollte. 1994 sprach sich noch die Mehrheit (53 Prozent) dafür aus. Jetzt wollen dies nur noch 40 Prozent. 56 Prozent sind dagegen, einen Schlussstrich zu ziehen. Bei den 18- bis 29-Jährigen sind es sogar 65 Prozent, die den Völkermord nicht verdrängen wollen.

Obwohl das Interesse an der Vergangenheit groß ist, sagen 65 Prozent der Bürger, die Deutschen hätten aufgrund ihrer Geschichte keine besondere Verantwortung gegenüber anderen Völkern. 31 Prozent bejahen diese Verantwortung.

Am 27. Januar wird in Deutschland und vielen anderen Ländern der Opfer der NS-Herrschaft gedacht. In der Feierstunde des Bundestags spricht Marcel Reich-Ranicki, einer der wenigen Überlebenden des Warschauer Ghettos. Das Datum erinnert an den 27. Januar 1945, den Befreiungstag des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau.

Datenbasis: 1002 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger am 19. und 20. Januar 2012, statistische Fehlertoleranz: +/- 3 Prozentpunkte. Institut: Forsa. Auftraggeber: “stern”.

(Textquelle: stern.de;
Bildquelle: Auschwitz.org)

Hintergrundinfomationen: Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau, YouTube-Kanal des Auschwitz Museums, Stiftung “Erinnerung, Verantwortung und Zukunft”, Dossier Geschichte und Erinnerung – Regieren nach Auschwitz, KZ-Gedenkstätte Dachau, Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen

Wehrbeauftragten-Jahresbericht – Große Sinnkrise der Bundeswehr

von Sebastian ~ 25. Januar 2012

Der Bundeswehr wird viel zugemutet. Der Afghanistan-Krieg zerrt an den Nerven. Zusätzlich schlägt die große Strukturreform auf die Stimmung, wie der Wehrbeauftragte in seinem Bericht kritisch anmerkt. Die Klagen sind teils verständlich. In der Heimat werden Standorte und Stellen gestrichen, während die Soldaten an der afghanischen Front immer stärker am Sinn des Einsatzes zweifeln. Zudem ist die Ausrüstung weiter so bescheiden, dass Kampfeinsätze überwiegend den Alliierten überlassen bleiben. Die Bundeswehr ist im Vergleich zur US-Armee nur drittklassig. Hinzu kommen große Belastungen für Ehen und Familien, wenn etwa der nächste Auslandseinsatz ansteht oder der künftige Standort Hunderte Kilometer vom Heimatort entfernt liegt.

Natürlich müssen auch andere Berufsgruppen Entbehrungen in Kauf nehmen. Manch ein Lkw-Fahrer oder Handelsvertreter etwa sieht sein Kind nur am Wochenende. Und das Risiko für Leib und Leben kann bei Polizei und Feuerwehr ähnlich hoch sein wie bei der Bundeswehr. Deshalb muss manche Kritik im Bericht des Wehrbeauftragten relativiert werden, genauso wie die darin aufgestellte Behauptung, die Truppe sei trotz allem sehr motiviert. Frustriert sind viele Soldaten aber vor allem darüber, dass sie in der Gesellschaft kaum öffentliche Anerkennung erfahren, wenn sie etwa am Hindukusch ihr Leben riskieren. Das verstärkt die große Sinnkrise der Bundeswehr ungemein. (Zitatende)

Kommentiert die “Neue Osnabrücker Zeitung”.

(Textquelle kursiv: Neue Osnabrücker Zeitung.de;
Bildquelle: Bundeswehr.de, ISAF.NATO.int; Soldaten der Bundeswehr aus Deutschland angetreten in Kunduz/Nordafghanistan)

Hintergrundinformationen: Jahresbericht 211 des Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages

Stark belastet, Durchhaltefähigkeit gefragt – Kommentare zum Wehrbeauftragten Jahresbericht 2011

von Sebastian ~ 24. Januar 2012

Der Wehrbeauftragte des Bundestags prangert Jahr für Jahr Missstände bei der Bundeswehr an. Das ist sein Job. Selten zuvor aber war die Kritik so umfassend und fundamental, wie diesmal. Hellmut Königshaus lässt keinen Zweifel daran, dass die Reform die Truppe auf eine echte Bewährungsprobe stellt – von der noch keineswegs sicher ist, ob sie sie auch besteht. Weite Wege zur Dienststelle, horrende Scheidungsraten, mangelhafte Ausrüstung und schlechte Stimmung – wer sich nach dem Bild, das Königshaus über die Lage der Soldaten zeichnet, noch für eine berufliche Zukunft an der Waffe entscheidet, muss schon sehr überzeugt sein. Wer die Wahl hat, dürfte sich wohl eher für einen Job in der Wirtschaft oder dem öffentlichen Dienst entscheiden. Woher aber soll die Bundeswehr dann die qualifizierten Leute bekommen, die sie so dringend braucht? Die Politik sollte den Weckruf von Königshaus ernst nehmen und sich vor allem klar machen, dass die Reform der Bundeswehr Geld kosten wird. Die Abgeordneten – die stets betonen, wie schwer es ihnen fällt, die Bundeswehr in einen Einsatz zu schicken – könnten ihr Gewissen etwas erleichtern, wenn sie zumindest dafür sorgen, dass die Soldaten die bestmögliche Vorbereitung und Ausrüstung erhalten. (Zitatende)

Kommentiert Christian Altmeier von der “Rhein-Neckar-Zeitung” aus Heidelberg.

Durchhaltefähigkeit gefragt – Zum Jahresbericht des Wehrbeauftragten kommentiert die Lausitzer Rundschau aus Cottbus:

Was sollte jemanden locken, freiwillig den Beruf Soldat zu ergreifen? Zumal wenn er solche Berichte über Missstände und Unzulänglichkeiten liest, wie der Wehrbeauftragte am Dienstag in Berlin wieder einen veröffentlichte. Die berufliche Sicherheit und die Aufstiegschancen könnten es sein. Doch derzeit werden Offiziere und Zivilkräfte bei der Bundeswehr in großer Zahl entlassen – wenn auch mit einem goldenen Handschlag -, um die Armee zu verkleinern. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie? Kinder haben und groß ziehen, ein normales Leben, nichts ist angesichts der zahlreichen Versetzungen und Auslandseinsätze ferner. Dazu kommen die vielen geplanten Standortschließungen, die neue Umzüge mit sich bringen werden. Die Faszination Technik? Das reizt viele, doch wird gerade gespart an allen Ecken und Enden. Vielfach ähnelt die Bundeswehr mehr einer Landmaschinenschlosserei als einer High-Tech-Firma. Die Verantwortung? Die wäre ein starker Grund, doch der Rückzug aus Afghanistan, ohne dort wirklich einen Erfolg erreicht zu haben, ist nicht gerade vorbildlich. Und die abschätzige innenpolitische Debatte über die Auslandseinsätze motiviert auch nicht. Nach der abrupten Umstellung von der Wehrpflichtigen- zur Freiwilligenarmee beginnt für die Bundeswehr jetzt die schwierigste Phase, die des Übergangs. Und der sonstige Arbeitsmarkt lässt zurzeit nicht viele Bewerber übrig. Jetzt ist die Durchhaltefähigkeit der Politik gefragt, vor allem ihre Fantasie und ihre Kreativität. Ein bisschen Werbekampagne wird da nicht reichen. Sehr wahrscheinlich wird man für das geplante Attraktivitätsprogramm wesentlich mehr Geld und mehr Zeit brauchen, als man bisher dachte. (Zitatende)

[Textquelle kursiv: Rhein-Neckar-Zeitung.de;
Bilderquelle: Bundeswehr.de, Teilnahme des Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestages, Hellmut Königshaus (FDP), an der Debatte und namentlichen Abstimmung im Deutschen Bundestag über die Fortsetzung der Beteiligung bewaffneter deutscher Streitkräfte an dem Einsatz der Internationalen Sicherheitsunterstützungstruppe in Afghanistan (International Security Assistance Force, ISAF) unter Führung der NATO auf Grundlage der Resolutionen 1386 (2001) und folgender Resolutionen, zuletzt Resolution 1943 (2010) des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen. Aufnahmedatum: 28.01.2011;
ein deutscher ISAF-Konvoi in Afghanistan]

Hintergrundinformationen: Jahresbericht 211 des Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages

BERLIN verlegt ans Horn von Afrika

von Sebastian ~ 24. Januar 2012

Wenn am Samstag, den 28. Januar um 11 Uhr, auf dem Einsatzgruppenversorger (EGV) “Berlin” das Kommando “Alle Leinen los und ein!” ertönt, verlässt die größte Einheit der Deutschen Marine ihren Heimatstützpunkt Wilhelmshaven. Unter dem Kommando von Fregattenkapitän Martin Waldmann (48) wird die 230-köpfige Besatzung nach einem 14-tägigen Transit die Fregatte “Lübeck” bei der Operation “Atalanta” ablösen.

Mit der “Berlin” wird erstmals ein Einsatzgruppenversorger der Deutschen Marine zur Operation “Atalanta” entsandt. Gemessen an dem Auftrag verfügt die “Berlin” über das Fähigkeitsspektrum einer Fregatte. Zusätzlich befindet sich an Bord des EGV ein Marineeinsatzrettungszentrum (MERZ). Das MERZ befähigt die “Berlin” zur medizinischen Versorgung in See auf dem Niveau eines Kreiskrankenhauses.

Zur Erfüllung ihres Auftrages wird die “Berlin” durch zusätzliches Personal unterstützt. Neben einem Boarding Sicherungsteam (BST) und einem Vessel Protection Detachment (VPD) befinden sich für den Einsatzzeitraum auch eine Bordfacharztgruppe, ein Rechtsberater sowie Feldjäger und ein Sprachmittler an Bord. Weiterhin wird die “Berlin” durch zwei Bordhubschrauber vom Typ “Sea King” des Marinefliegergeschwaders 5 aus Kiel verstärkt.

Hintergrundinformationen

Der Deutsche Bundestag hat am 1. Dezember 2011 beschlossen, sich weiterhin für die Dauer eines Jahres mit einem signifikanten Beitrag an der Bekämpfung der Piraterie vor der somalischen Küste zu beteiligen.

Die EU-geführte Operation “Atalanta” hat zum Ziel, den humanitären Zugang nach Somalia durch Schutz von Schiffen des Welternährungsprogrammes (WEP) und der Mission der Afrikanischen Union in Somalia (AMISOM) sicherzustellen. Aktive Piraten vor der Küste Somalias und seinen Nachbarländern sollen abgeschreckt und die Seeräuberei eingedämmt werden.

Die Operation soll zum einen die durch Piratenüberfälle gefährdete humanitäre Hilfe für die Not leidende somalische Bevölkerung sicherstellen. Zum anderen trägt die Operation dazu bei, den zivilen Schiffsverkehr auf den dortigen Handelswegen zu sichern, Geiselnahmen und Lösegelderpressungen zu unterbinden und das Völkerrecht durchzusetzen.

(Bild-, Textquelle: Marine.de, Foto: Einsatzgruppenversorger BERLIN in Fahrt)

300 Jahre Friedrich der Große – Der schwule Fritz (Video)

von Sebastian ~ 24. Januar 2012

“Genialer Feldherr, toleranter Fürst, Philosoph auf dem Thron: Friedrich II. avancierte in den vergangenen drei Jahrhunderten zum gut ausgeleuchteten deutschen Vorbild. Am nächsten stand dem Preußenkönig sein Kammerdiener Fredersdorf. Ihm vertraute Friedrich blind bei Geld, Spionen und Hämorrhoidenleiden. Der erhaltene Briefwechsel zwischen König und Diener zeigt den Alten Fritz ohne Legende – dafür voller Liebe”, schreibt Oliver Das Gupta bei Süddeutsche.de:
Zum vollständigen Artikel 300 Jahre Friedrich der Große – Der schwule Fritz mit Comic-Bildern aus Fritzens Leben.

Dazu das Video: Flötenkonzert e-Moll -Allegro ma non tanto, Ensemble Sans-Souci Berlin

[Textauszug: Süddeutsche.de;
Bilder: Flötenkonzert Friedrichs des Großen zu Sanssouci von Adolph Menzel, 1850/52;
Friedrich II. (der Große), König von Preußen, im Jahr 1781 im Alter von 68 Jahren; Ölbild von Anton Graff (1736–1813);
Videoquelle: via YouTube]

Hintergrundinformationen: Friedrich300.eu